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Interviews die Heike Odenthal mit einigen Teilnehmern des Seminars
"Eltern mit Behinderung" am 21.05.2000 in Uder geführt hat



Interview 1

H.: Welche Erfahrung haben Sie in bezug auf Ihre Schwangerschaft bei Ärzten gemacht?

K.: Ich habe drei Kinder und habe bei allen drei Schwangerschaften gute Erfahrungen mit den Ärzten gemacht, auch wenn ich sagen muss, dass viele Professionelle keine Erfahrung haben im Umgang mit spastisch gelähmten Frauen die Kinder bekommen. Trotzdem hat sich mein Arzt mit mir zusammen um Informationen bemüht und war sehr daran interessiert Informationen zu bekommen. Er hat mich in der Schwangerschaft begleitet und sehr kompetent beraten. Bei den Hebammen war es so, dass die eigentlich mehr das Gefühl hatten die lernen was von mir als ich von Ihnen. Meine Erfahrungen sind positiv.

H.: Wie sind Ärzte auf Menschen mit Behinderung eingerichtet? Hatten Sie die Möglichkeit barrierefreie Zugänge zu benutzen oder benötigen Sie keine?

K.: Der barrierefreie Zugang war schon schwierig, aber da ich allerdings mit Mühe einige Stufen gehen kann, war das kein Hinderungsgrund eine Praxis danach auszusuchen. Ansonsten ist es schon schwierig barrierefreie Zugänge zu bekommen oder war es zur damaligen Zeit 1988, als mein erstes Kind geboren worde.

H.: War es aufgrund Ihrer Behinderung eine spontane Geburt oder war es ein Kaiserschnitt?

K.: Es war eine spontane Geburt. Ich wurde danach gefragt wie ich liegen wollte, wie ich die Geburt erfahren wollte und es wurde sehr auf meine Bedürfnisse eingegangen. Es sind also durchweg positive Erfahrungen.

H.: Und jetzt auf die heutige Zeit, welche Reaktionen bekommen Sie, wenn Sie mit Ihren Kindern unterwegs sind?

K.: Ja, es fällt schon auf, wenn wir mit drei Kindern und ich im Rollstuhl durch die Stadt gehen. Meistens ernten wir eher wohlwollende Blicke und werden auch darauf angesprochen, dass wir toll sind und so. Zu Anfang dieser Zeit war einiges Misstrauen da. Aber ja!

H.: Jetzt haben Sie mir gerade gesagt, dass Sie drei Kinder haben. Benötigen Sie als Mutter von drei Kindern auch Hilfe. Wenn ja, wie haben Sie Ihre Hilfe orgarnisiert?

K.: Seitdem die Kinder klein waren hatten wir regelmässig Opairmädchen. Über drei oder vier Jahre kammen Opairmädchen aus verschiedenen Ländern, dass klappte sehr gut. Im Augenglick haben wir eine Haushaltshilfe, was natürlich ziehmlich ins Geld geht.

H.: Also, diese Haushaltshilfe bekommen Sie nicht finanziert. Die finanzieren Sie selber.

K.: Ja, das finanzieren wir selber vollständig.

H.: Fühlen Sie sich von Eltern ohne Behinderung in Ihrem Eltern sein akzeptiert?

K.: Ja, ich fühle mich voll akzeptiert, allerdings nicht immer voll verstanden, denn es gibt schon Unterschiede in der Wahrnehmung von Schwierigkeiten.

H.: Sind Ihre Erwartungen die Sie an dieses Seminar gestellt haben erfüllt worden?

K.: Ich freue mich über den Erfahrungsaustausch und es ist angenehm zu erleben, dass es andere Familien gibt die in ähnlichen Situationen sind und mit ähnlichen Reaktionen der Umwelt rechnen müssen. Die ähnliche Erfahrungen machen über Ihre Grenzen und Ihre Möglichkeiten, dass man eben nicht allein ist, sondern die Erfahrung hat es geht andern ebenso. Diese Erwartung ist erfüllt ausserdem haben wir viele Anregungen denke ich, wo es nötig ist weiter zu arbeiten und das es auch einen hohen Forschungsbedarf in diesem Bereich gibt. Der Aspekt behinderte Eltern ist bisher relativ wenig in der Öffentlichkeit bewusst.

 


Interview 2

H.: Eine andere Mutter mit Behinderung stellt sich vor?

B.: Ich bin 43 Jahre alt, ich habe einen 14jährigen Sohn und ich bin behindert.

H.: Was für eine Behinderung ist das?

B.: Ich bin eine Spastikerin.

H.: War die Spastik ausschlaggebend bei Ihrer Schwangerschaft oder hat es Probleme gegeben bei den Ärzten, wo Sie in Behandlung waren während Ihrer Schwangerschaft?

B.: Ich habe leider nicht so positive Erfahrungen, denn der Frauenarzt den ich ausgesucht hatte, fragte mich was wollen Sie mit einem Kind. Sie sind ja selber behindert und ob ich das überhaupt austragen könne. Er hat mir zu einer Abtreibung geraten und ich sagte ich möchte das Kind haben. Ich dächte überhaupt nicht daran es abzutreiben. Ich habe das Kind dann ausgetragen und ich habe auch keine Fruchtwasseruntersuchung machen lassen, weil ich denke ich wollte das Kind auf jeden Fall haben.

H.: Welche Erfahrungen haben Sie bei der Geburt gemacht? Es passiert ja oft, dass bei Müttern mit Behinderung von den Ärzten zu einem Kaiserschnitt geraten wird, so das es selten zu einer spontanen Geburt kommt. Wie war das bei Ihnen?

B.: Also, mein Frauenarzt war der Meinung ohne Kaiserschnitt ginge es überhaupt nicht und als ich dann in das Krankenhaus kam, da meinte der leitende Arzt der Entbindungsstation es wäre kein Problem das Kind auch ohne Kaiserschnitt zu bekommen. Da war ich total überrascht. Die Geburt hat sehr gut geklappt, jedoch die Schwangerschaft war sehr anstrengend.

H.: Welche Reaktionen bekommen Sie, wenn Sie heute mit Ihrem Kind unterwegs sind?

B.: Die gemeinsamen Unternehmungen sind recht selten geworden, weil mein Sohn natürlich schon eigene Wege geht.

H.: Können Sie sich dann noch an Reaktionen erinnern, als Ihr Sohn im Kleinkindalter war?

B.: Das war sehr interessant. Am allerwenigsten haben die Leute vermutet, dass ich die Mutter bin. Mein Sohn wurde immer gefragt, wo ist den deine Mutter und ich sagte immer die steht doch hier und dann wurde auch noch gefragt, wo denn.

H.: Benötigen Sie Hilfe in Form einer persönlichen Assistenz? Wenn ja, haben Sie diese finanziert bekommen?

B.: Ich benötige aufgrund meiner Behinderung zwei Stunden am Tag persönliche Assistenz und als das Kind im Kleinkindalter war brauchte das Kind natürlich auch Unterstützung und Hilfe. Diese Hilfe für das Baby und Kleinkind zu bekommen, dass war am schwierigsten. Da musste ich einen Prozess führen um meine Rechte zu bekommen.

H.: Fühlen Sie sich von Eltern ohne Behinderung in Ihrem Eltern sein akzeptiert?

B.: Ich fühle mich akzeptiert als Mutter, wenn ich allerdings mit anderen Eltern sprechen will, dann muss ich auf die Eltern zugehen, sie ansprechen und mich mit ihnen verabreden. Von den anderen kommt so gut wie garnichts und das wirkt sich auf die Kinder aus.

H.: Gibt es in den Schulen und Kindergärten barrierefreie Zugänge?

B.: Das ist Utopie. Es gibt an der Schule nur Stufen die für Rollstuhlfahrerinnen ziemlich schwierig zu überwinden sind.

H.: Das Seminar Eltern mit Behinderung ist nun vorbei und ich möchte gerne wissen ob Ihre Erwartungen an dieses Seminar erfüllt worden sind?

B.: Ich finde es sehr gut das so ein Seminar stattgefunden hat und ich habe mitgenommen, dass es noch viele Eltern gibt die in solchen Situationen sind und man sich darüber austauschen kann.

 


Interview 3

H. : Ich bin immer noch auf dem Seminar Eltern mit Behinderung. Hier habe ich Birgit und Klaus getroffen. Klaus ist der Stiefvater von Birgits Sohn. Klaus sind Sie bereit mir ein paar Fragen zu beantworten?

K. : Ja also, ich bin 39 Jahre alt und bin Stiefvater. Mein Stiefsohn ist fast 15 Jahre alt und seit 7 Jahren bin ich Stiefvater.

H. : Welche Reaktionen bekommen Sie, wenn Sie mit Ihrem Kind unterwegs sind. Wie ist Ihre Situation speziell als Stiefvater?

K. : Wenn ich mit meinem Sohn und mit dem Hund im Park sparzieren gehe, habe ich nicht die Möglichkeit auf die Reaktionen anderer zu achten, weil ich blind bin. Ich kann also nicht sehen wie meine Umwelt auf mich reagiert und Stimmen von Aussen - ja, die gibt es natürlich. Ich denke mal die anderen denken, dass ist ein Junge der einen Behinderten schiebt. Ich denke, dass wir zusammen gehören ist für Aussenstehende nicht erkennbar.

H. : Was für eine Beziehung haben Sie zu Ihrem Stiefsohn und wie kommen Sie mit Ihrem Stiefsohn klar?

K. : Oh, darüber könnte ich ein Buch schreiben. Die Beziehung zu meinem Stiefsohn ist eine lebendige und innerliche. Wir mögen uns sehr und hängen aneinander. Es kommt manchmal zu kontroversen Konflikten die wir dann auch austragen und austragen müssen.

H. : Haben Sie ein Problem damit, dass Sie "nur" der Stiefvater sind?

K. : Ich habe deswegen ein Problem, dass ich Stiefvater bin und dass er mich eher als Freund oder Kumpel betrachtet und nicht in der Rolle des Vaters. Ich meine, dass ich die Vaterrolle nicht habe und das er dieses so akzeptiert ist mir klar. Ich möchte aber, dass er mich als Vater akzeptiert und sieht. Er sagt sehr häufig zu mir Papa kann ich Schokolade haben und dann sagt er wieder Klaus zu mir, damit wird deutlich wie unsere Beziehung zueinander ist.

H. : Wie sind denn Ihre Konflikte? Sind die in einer Stiefvater-Sohn-Beziehung anders, als in einer Vater-Sohn-Beziehung?

K. : Wenn es Streit gibt, dann sagt er z.B., bringst du mir einen anderen Stift? Hast du nicht genug Zeit, dass du eben mal herkommst? Du bist nicht mein Papa und du hast hier nichts zu sagen. Das kommt dann manchmal rüber. Damit umzugehen und darauf eine passende Reaktion zu haben ist für mich sehr schwer. Ich muss das auch aushalten können. Er wird immer grösser, er ist bald 15 Jahre alt und er wird immer selbstbewusster. Das muss er ja auch sein..................

H. : Ich danke Ihnen für dieses Inteview. Zum Schluss, noch eine Frage sind Ihre Erwartungen in Bezug auf das Seminar "Eltern mit Behinderung" erfüllt worden?

K. : Na ja, sagen wir mal zum Teil. Ich hatte gehofft, dass ich hier einen kennenlerne der in der selben Rolle ist wie ich, also auch Stiefvater oder Stiefmutter ist und ein Erfahrungsaustausch stattfindet. Erfahrungsaustausch mit anderen, wie die ihre Rolle bewältigen, wie die mit Konflikten umgehen, wie die es geschafft haben, dass Sie das Kind angenommen hat. Bei mir war es so: Mein Stiefsohn war 7 Jahre alt, als ich ihn kennenlernte und er hatte ganz grosse Mühe gehabt mich zu akzeptieren, mich anzunehmen. Ich hätte gerne gewusst, wie andere Stiefväter den Problemen gewachsen sind. Mein Problem ist einfach dieses, dass ich ob zu Hause oder woanderes mit der Kindererziehung sehr stark überfordert bin. Ich möchte die Vaterrolle komplett und gut ausfüllen kein Thema, nur es gelingt mir nicht immer. Ich möchte mehr Einfluss haben auf meinen Stiefsohn und das er mehr Dinge von mir annimmt. Er sagt oft, du bist nicht mein Vater und dann macht er es eben nicht, dass was ich von ihm möchte. Damit habe ich Probleme.




Herausgegeber: Bundesverband behinderter und chronisch kranker Eltern e.V.
Copyright © 2001, Nachdruck, auch auszugsweise, nur mit Genehmigung des Vereins gestattet.

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