Aktuell:

 

Infos zur Schlichtungsstelle nach dem Behinderten-gleichstellungsgesetz

 

Link zur Schlichtungsstelle


Unsere neue Adresse der Geschäftsstelle in Hannover ist:

bbe e. V.

Herrenstr. 8

30159 Hannover

Telefon bleibt 0511 - 69 63 256

 


Logo des Ideenwettbewerbs Barrierefreie Kinder- und Babymöbel

Dokumentation zum Ideenwettbewerb Barrierefreie Kinder - und Babymöbel

mehr... 


Logo und Link zum Spendenportal


Login

Login
Registrierung
.
Passwort vergessen?
.
.

Erfahrungsbericht einer blinden Stiefmutter Diesen Text vorlesen lassen

Was einem so als behinderter Mutter, in diesem Fall als Stiefmutter so entgegengebracht wird, möchte ich hier schildern:

 

Ich bin 51 Jahre alt und seit gut 25 Jahren wegen einer Netzhauterkrankung blind. Ich habe aus erster Ehe zwei erwachsene Söhne und lebe seit acht Jahren in Norddeutschland.

 Dort lernte ich meine jetzige Familie kennen, von der ich hier berichten will.

 

Meine Stiefkinder waren 11 und 7 Jahre alt, als ihre Mutter bei einem Autounfall ums Leben kam. Beide Kinder und ihr Vater waren bei dem Unglück dabei. Die Kinder erlitten schwere Verletzungen, nur ihr Vater, der auf dem Beifahrersitz gesessen hatte,  blieb wie durch ein Wunder so gut wie unverletzt. Er verbrachte vier Wochen bei ihnen in der Kinderklinik. Als die Tochter - an Krücken laufend- entlassen wurde, konnte er nach Hause und wieder zur Arbeit gehen. Der Sohn kam in der Nähe des Wohnortes für mehrere Monate in eine Reha-Klinik.

 

Da ich mit der Familie befreundet war, besuchte ich in dieser Zeit die Kinder mehrmals in der Klinik und auch in der Reha. Als das Mädchen wieder zur Schule ging, besuchte sie mich oft, machte ihre Schularbeiten bei mir und spielte vor allem gern mit meinem Blindenhund. Mit ihr und ihrem Vater besuchte ich gemeinsam den Jungen in der Reha, wo wir unter anderem einmal bei sonnigem Frostwetter ein Picknick im Freien veranstalteten, damit mein Hund, dem der Zutritt zur Klinik verweigert wurde, dabei sein konnte.

 

Bei so viel fröhlichen Gemeinsamkeiten und netten Zusammenkünften ergab es sich auf sehr innige Weise, dass - von den Kindern regelrecht forciert - mein Mann und ich uns in einander verliebten. Ein halbes Jahr nach dem Tod der Mutter und Ehefrau waren wir ein Paar, 16 Monate danach verheiratet.

 

Damit begann für uns vier ein bis heute sehr harmonisches und beglückendes, aber auch von außen sehr bekämpftes Familienleben.

Die Mutter, die Tante und die Cousine der verstorbenen Mutter der Kinder ließen keine Gelegenheit aus, gegen mich zu "stänkern". Ich konnte zwar verstehen, dass es ihnen mit unserer neuen Familienkonstellation in ihrer Trauer zu schnell gegangen war, fand aber die Art und Weise, wie sie dies über meine Behinderung  auslebten, einfach nur schlimm und entwürdigend.

Es war nämlich meine Blindheit, an der sie vordergründig Anstoß nahmen und dies auf eine Weise, wie ich es mir selbst nie hätte ausdenken können. Anstatt sie froh gewesen wären, dass ich aufgrund meiner Erwerbsunfähigkeitsrente immer für die Kinder da war, Zeit für sie und ihre Probleme hatte, den Haushalt versorgte und mich von Anfang an um alles kümmerte, setzten sie - sich gegenseitig anstachelnd - demütigende Lügen über mich in die Welt. Ich möchte diese gar nicht alle aufzählen, da dies in mir auch nur wieder die heftige Trauer und Wut und Hilflosigkeit von damals hervorrufen würde. Eine Bemerkung muss ich hier aber wiedergeben, weil sie dokumentiert, wie man meine Behinderung dazu benutzte, mich schlecht zu machen.

Aus organisatorischen Gründen konnten die Kinder einmal einer Einladung zur Oma, die 250 km weit weg wohnt, nicht nachkommen. Die Großtante und Großcousine wollten mit den beiden dorthin fahren. Aus Ärger über die ausgeschlagene Fahrt mit den beiden Kindern, setzte die Großcousine in die Welt, die Kinder dürften nicht wegfahren, da sie ihre blinde Stiefmutter betreuen müssten.

Beide Kinder lachten darüber herzhaft, mich verletzte diese bösartige Unterstellung aber sehr.

 

Das Verhältnis zur Oma hat sich glücklicherweise sehr entspannt. Es ist aber bis heute zwischen uns und der Großcousine ein sehr gespanntes Verhältnis. Sie lässt eigentlich keine Gelegenheit aus, mich gerade bei der Tochter oft sehr subtil in irgend einer Art zu kritisieren.

Da es von Seiten der verstorbenen Mutter meiner Stiefkinder keine andere  Verwandtschaft gibt, wollen mein Mann und ich aber den Kontakt trotz dieser Schwierigkeiten nicht ganz unterbinden. Unsere Tochter wird aber in diesem Sommer auch schon 13 Jahre alt und erkennt jetzt selbst die Sticheleien und subtilen Angriffe. Sie zieht sich selbst immer mehr aus diesem Einfluß heraus oder reagiert bereits  darauf mit entsprechenden Entgegnungen.

Ich finde es nach wie vor sehr schlimm, was sich da seit fast 5 Jahren abspielt, zumal die Großcousine nicht mit sich darüber reden lässt. Sie beantwortet meine Briefe, in denen ich sie um eine Aussprache bat,  nicht und reagiert auf Telefonate abweisend und verleugnend.

 

Gott sei Dank sind wir eine sehr glückliche, fröhliche Familie. Die Kinder entwickeln sich ganz prima. Sie sind gesund und haben die Unfallfolgen körperlich und seelisch sehr gut überstanden. Unser Sohn hat bereits seit Weihnachten vergangenen Jahres eine Lehrstelle unter Vertrag und unsere Tochter besucht seit einem halben Jahr erfolgreich das Gymnasium. Krisen, wie die Arbeitslosigkeit meines Mannes bewältigen wir gemeinsam. Inzwischen macht er eine Umschulung zum Ergotherapeuten und die Kinder finden es sehr witzig, dass ihr Vater auch noch mal die Schulbank drückt.

Vor zweieinhalb Jahren wurde bei mir Brustkrebs festgestellt, glücklicherweise so früh, dass mir eine Chemotherapie erspart blieb.

Seit dieser Operation ist die Oma der Kinder mir gegenüber sehr viel aufgeschlossener und netter, manchmal geradezu liebevoll.

Ich glaube, durch diese Gefährdung meiner Person, wurde ihr erst mein Stellenwert für ihre Enkelkinder und deren Vater richtig bewußt.

 

Ich würde gern mit anderen behinderten Stiefeltern über E-mail Erfahrungen austauschen. Die Adresse kann beim bbe e.V. ( bbe.indokus@gmx.de ) erfragt werden.

 

 

Für den Text ist die anonyme Autorin selbst verantwortlich, sie ist dem bbe e.V. bekannt.

.
.

xxnoxx_zaehler